Archive for Juli, 2011

Biedermann und Brandstifter

Montag, Juli 25th, 2011

Die Medien beeilen sich, den Massenmörder von Oslo und Utøya als irrsinnigen Einzelgänger darzustellen. Dabei ist sein 1.500-Seiten-Pamphlet, an dem seine Wahnhaftigkeit diagnostiziert werden soll, kaum mehr als eine Guttenberg-Collage: ein fast schon repräsentativer Querschnitt durch mehrere Jahre publizistischer Schreibtischtäterschaft der sog. islamkritischen Szene. Und obwohl letztere im deutschsprachigen Internet das größte politische Meinungsangebot mit ca. 38 Millionen Seitenzugriffen pro Monat unterhält, heißt es jetzt: „Er kam aus dem Nichts.“ Aber sind 38 Millionen Seitenaufrufe allein in Deutschland etwa nichts?

Selbst PI-News räumt ein, was die meisten Mainstream-Kommentatoren nicht wahrhaben wollen: dass Anders Behring Breivik „großenteils Dinge [schreibt], die auch in diesem Forum stehen könnten“, sich also mitnichten vom ideologischen Durchschnitt der Szene unterscheidet. Aber trotz des mutig wirkenden Eingeständnisses „eigener Verantwortung“ ließ PI-News zwischen der notwendig gewordenen Korrektur an kewils Beitrag „Warum bombt [der] Islam ausgerechnet in Oslo?“ (22.7.) und seiner Hetze gegen arabische „Einwanderung per Asylbetrug“ (24.7.) keinen Tag ungenutzt verstreichen, um Feuer an muslimischen Wohnhäusern zu legen.

Aber siehe da: auf einmal soll die Hetze gegen Islam und Multikulti kewil und Breivik als „Extremisten“ ausweisen – als hätten Politiker der Mitte dieses Register nie gezogen. Vergessen die SPIEGEL-Titel über die „stille Islamisierung“ und Merkels Brandrede über das „Scheitern von Multikulti“: Nein, Breivik ist nur ein irrer Einzelgänger, der in einer fernen „Phantasiewelt“ lebt!

Jesus war’s nicht, die Heiden sind es gewesen!

Sonntag, Juli 17th, 2011

… meint man zumindest in der Bahamas, wo sich der Raddatz-Imitator Thomas Maul, den wirren Gedankengängen seines großen Vorbilds folgend, an einer essentialistischen Reinwaschung des Christentums vom historischen Makel des Antijudaismus versucht. Rüdiger berichtet:

Ja, gelesen habe ich bisher: einen wunderbaren Text von Thomas Maul, in dem er die Grundlage nahezu aller Historiker, die über christlichen Antijudaismus schreiben, als irrsinnig entlarvt: Der Vorwurf des Gottesmordes an die Juden ist nicht christlich, sondern heidnisch. Sehr überzeugend, wobei sich natürlich wieder die Frage stellt, ob nicht das als heidnisch identifizierte im Laufe der Jahrhunderte so sehr im Christentum festgesetzt hat, dass es von ihm gar nicht mehr getrennt werden kann. Auf diese Frage weiß aber Maul die Antwort, dass die Kirche zumindest den Widerspruch zwischen Gottesmord und Selbstopfer nicht los wird. Es gibt also im Christentum selbst etwas, dass dem Antijudaismus zutiefst widerstrebt. Maul führt das auch auf den jüdischen Ursprung des Christentums zurück. Da wäre es vielleicht hilfreich, doch noch mal zwischen jüdischen und griechischen Elementen zu differenzieren, aber Maul schreibt selbst, dass es sich um vorläufige Ergebnisse eines längeren Denkprozesses handelt. Außerdem wäre spannend, wie die protestantische Wende gegen den Ablass (der überzeugend als Reaktion auf das Ausbleiben der Wiederkunft des Messias gedeutet wird) in diesem Fall zu beurteilen ist.

Vielleicht sollte der Mann weniger Rotwein trinken und lieber wieder an seinen billigen Amateur-Pornos schnippeln – falls das mit Jesus und dem „wahren Christentum“ nach Maul überhaupt vereinbar ist. 😉

Zustände verteidigen, rassistische Demagogen abschaffen!

Sonntag, Juli 17th, 2011

Wenn Rechtspopulisten, deren Geschäft im Wegmobben ganzer Bevölkerungs­gruppen besteht, an einem Ort nicht willkommen geheißen werden, so fühlen sie sich gleich als Opfer so genannter Zustände. Der Sozialdarwinist Thilo Sarrazin, der aus verschiedenen Kreuzberger Lokalitäten flog, macht’s vor, wenn er, wie heute in der Welt, seinem neokonservativen Stammpublikum die Ohren volljammert:

Ein verdienter ehemaliger Berliner Senator, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen, außer ein Buch mit unwillkommenen Zahlen und deren Analyse zu schreiben, wird aus einem zentralen Berliner Stadtteil, der nach eigenem Selbstverständnis die Speerspitze der Integration in Deutschland darstellt, förmlich herausgemobbt.

Wehe uns, wenn, wie viele hoffen, Kreuzberger Zustände die Werkstatt des künftigen Deutschland sind.

Aber auch die sog. „Anti“deutschen – eine rechtspopulistische Bewegung, die Muslime als „Zickenficker des Propheten“ verspottet, nach der wahllosen „Bombardierung islamischer Zentren“ schreit und der Antifa das Anzünden somalischer Flüchtlingszelte empfiehlt – machen lokale „Zustände“ dafür verantwortlich, dass sie mit ihrer demagogischen Hetze nicht mehr so ankommen wie noch vor einigen Jahren: (mehr …)

In Memory of Ibrahim Qashoush

Sonntag, Juli 17th, 2011

Der Sänger dieses Protest-Videos, Ibrahim Qashoush, wurde unlängst von Agenten des syrischen Baʿath-Regimes ermordet. Seine Leiche wurde am 4. Juli 2011 mit aufgeschlitzter Kehle und herausgerissenen Stimmbändern aus einem Fluss gefischt.

Ibn Hazm (6) – Die Abscheulichkeit der Sünde

Samstag, Juli 16th, 2011

Viele Menschen gehorchen ihrem Trieb und widersetzen sich ihrem Verstand. Sie folgen ihren Begierden, kümmern sich nicht um ihren Glauben und meiden das, wozu Gott, der Erhabene, auffordert und was er in reine Gemüter einpflanzt, nämlich Keuschheit, Meiden von Sünden und Loslösung von der Begierde. Sie widersprechen Gott, ihrem Herrn, und sind sich mit dem Teufel einig in dem, was er liebt, nämlich der verderblichen Lust, und so begehen sie in ihrer Liebe sündhafte Handlungen. (mehr …)