Archive for August, 2010

Wie kann man nur Afghane sein? Eine US-Studie impft Soldaten gegen die paschtunische „Homosexuellen“-Kultur

Dienstag, August 31st, 2010

Eine von Fox News im Januar 2010 vorgestellte Forschungsstudie des US-Militärs thematisiert zum ersten Mal das notorisch homophobe Verhalten amerikanischer Soldaten gegenüber afghanischen Männern. Im Zentrum steht jedoch, wie zu erwarten, nicht die kritischen Reflexion eigener gesellschaft­licher Normen, sondern die Aufforderung an die Soldaten, „eine wichtige soziale Kraft, die der paschtunischen Kultur zugrundeliegt“, richtig zu verstehen und entsprechend exotistisch einzuordnen.

The study, obtained by Fox News, found that Pashtun men commonly have sex with other men, admire other men physically, have sexual relationships with boys and shun women both socially and sexually — yet they completely reject the label of „homo­sexual.“

Nicht dass die US-amerikanischen Soldaten „homo“ und „gay“ als Beleidi­gungen einführen, um die männliche afghanische Bevölkerung nach den Kategorien von „normal“ und „anormal“ durchzusortieren, sondern dass sich paschtunische Männer allen Ernstes weigern, sich mit diesen Beleidigungen positiv zu identifizieren, stellt für die Studie (oder zumindest Fox News) das eigentlich Bemerkenswerte dar. So wird der Schwarze Peter für die homo­phoben Ausflipper amerikanischer Soldaten einfach an die afghanische Gesell­schaft weitergegeben. (mehr …)

U.S. Soldiers Teaching Homophobia in Afghanistan

Sonntag, August 29th, 2010

Requires no comment …

OT: „Pashtun translator Flirts with American soldiers LOL“

GLADT e.V.: Protestaufruf gegen Kelek und Sarrazin

Samstag, August 28th, 2010

Kommenden Montag stellt Necla Kelek das Buch von Thilo Sarrazin vor, in dem er seine rassistischen Äußerungen zusammenfasst und zuspitzt. GLADT e.V. ruft dazu auf, sich an dem angemeldeten Protest dagegen zu beteiligen:

30. August 2010, 10:00 Uhr
Haus der Bundespressekonferenz
Schiffbauerdamm 40
(in der Nähe vom Bundestag)

Arabo-Islamic Texts on Female Homosexuality, 850 – 1780 A.D.

Donnerstag, August 26th, 2010

Arabo-Islamic Texts on Female Homosexuality, 850 - 1780 A.DÜber die Geschichte weib-weiblicher Liebe in der islamischen Welt gibt es bislang einen eklatanten Mangel an Forschung und ent­sprechender Sekundärliteratur. 2009 ist die Australierin Samar Habib angetreten, dieses Manko mit ihrer nun als Taschenbuch erschienenen Monographie sowie einer ein­schlägigen Quellensammlung endlich zu be­heben. Zu letzterer hier der Klappentext:

Increasingly in mainstream dis­course and rhetoric, there only seems to be one very serious and conservative face to Islam, Muslim communities, and their govern­ments. Mainstream modern Islamic hermeneutics condemn homosexual orientations, sometimes with punishments as severe as death. Nevertheless, there were also instances in Muslim history, culture, and society where religiosity was playful not punitive, where the sexual body was inscribed with markers of pleasure not those of perdition. Exploring instances within the Arabian Islamic Empire that negate impressions about Muslim cultures as eternally monolithic, conservative, and orthodox, we can come to a better and more nuanced understanding of the complexities of former and contemporary Muslim civilizations. The question of gay and lesbian human rights in the Muslim world is a topical and pressing one, and the need now for alternative ways of approaching Islam in the modern world is more important than ever. The answers to today’s modern crisis in human rights for LGBTIQ people lies in looking at the past and highlighting elements that can assist in the creation of a more equitable future. This publication discovers and brings to the English reader an array of surviving texts penned by Muslim scholars discussing female samesex desire. From the tolerant days of the Abbasid caliphate to the celebratory text of Yusuf Tifashi in the thirteenth century and onwards toward growing strictures and greater intolerance, Arabo-Islamic Texts reveals a dynamic and lively discourse on sexuality in the Arabo-Islamic empire. The English translation of a lecture delivered in Arabic in Haifa by Samar Habib is also included in this book.

Does Jesus Watch Me Go Poopy?

Mittwoch, August 25th, 2010

Pastor Deacon Fred von der Landover Baptist Church beantwortet eine wichtige theologische Frage: Guckt Jesus zu, wenn ich Aa mache?

Und für Leute, die’s gar nicht genau genug haben können: hier geht’s weiter zum Bible Poop Quiz!

Civilizing Mission in Wilhelmsburg

Montag, August 23rd, 2010

Gentrifizierung wird ja, aufgrund der überwiegend migrantischen Zusammensetzung der städtischen Unterschicht, heute vielfach als eine Art Rekolonisierung erlebt. Gleichzeitig ist es häufig die hedonistische oder pop­kulturelle Linke, die sich als Abenteurer, Vorreiter und manchmal sogar bezahlter Akteur dieser Aufwertungsprozesse zur Verfügung stellt. Das scheint zunächst ein Widerspruch zu ihrem emanzipatorischen Ansinnen, doch lässt sich dieser mit der entsprechenden Gesinnung relativ leicht übertünchen.

Wie, das zeigt unser Informant Roger B., der – finanziert durch die „Internationale Bauausstellung“ (IBA) – gesellschaftskritische Kunst-Projekte und Vernissagen über „Post-Urbanismus“ im Stadtteil Hamburg-Wilhelmsburg organisiert. Die IBA ist eine 100%-ige Tochtergesellschaft der freien Hansestadt und widmet sich im Auftrag des Senats der Aufwertung ärmerer Stadteile, um sie architektonisch und sozial für das Bürgertum wieder attraktiv zu machen. Linke Kritik wird hier durch ihren bürgerlichen Ästhetizismus ganz unverhohlen zum Bestandteil einer Aufwertungs- und Verdrängungs­strategie, was allen Beteiligten, einschließlich der Auftrag­nehmer, völlig durchsichtig ist. Aber, wie Roger B. sagt: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“

Und offenbar gibt es auch keine Rekolonisierung von Wilhelmsburg ohne die rassistische Beschimpfung seiner Anwohner_innen. Sogar dafür gibt sich der von der IBA unterhaltene Stadtsoziologe Roger B. her, was ihm aufgrund seiner „anti“deutschen Gesinnung allerdings auch nicht besonders schwer fällt. „Regressiv“, „patriarchal“ und „tierhaft“ sei die migrantische Bevölkerung von Wilhelmsburg, mithin dringend zivilisationsbedürftig. Insofern stellt sich der – bisweilen selbstkritisch eingeräumte – eigene Beitrag zu ihrer Verdrängung denn auch gar nicht mehr so schlimm dar. Doch hören wir den Salon-Linken Roger B. einfach selbst; gewissermaßen live aus dem „Grand Hotel Abgrund“ …

Roger B. über Wilhelmsburg und „tierhafte“ Migranten

Hat tip to parallaxe.

Olivier Roy: „Die Salafisten wenden sich ja zuallerst gegen die muslimische Kultur“

Freitag, August 20th, 2010

Olivier Roy - Heilige Einfalt Der auf den Islam spezialisierte Religions­soziologe Olivier Roy brilliert im Interview mit den Thesen seines neuesten Buchs Heilige Einfalt: Über die politischen Gefahren entwurzelter Religionen (2010).

„Die Presse“: Die deutsche Femi­nistin Alice Schwarzer fordert ein totales Verbot der Burka – diese bedeute „den end­gültigen Sieg des politisierten Islam“. Stimmt das?

Olivier Roy: Es ist total absurd. Der politische Islam hat nie die Burka gefordert, im Iran gibt es den Schleier. Jene, die das fordern, etwa die Salafisten, sind gerade nicht in großen Organisationen. Die Burka, das ist der Rückzug auf die individuelle Gläubigkeit, die Sekte, also genau das Gegenteil eines politischen Islam.

Der Westen sieht gemeinhin religiöse Fundamentalisten als sehr traditionsgebunden – Sie sagen in Ihrem neuen Buch, „Heilige Einfalt“, das Gegenteil, es handle sich um „entwurzelte Religionen“. Entwurzelt wovon?

Roy: Von der Kultur. In einer Kultur sind Normen und Symbole nicht von der Religion abgetrennt. […] Die Religion wird dadurch zu einer weichen Religion. […] Nicht alle fasten im Ramadan, aber alle tun so als ob. Als die Päpste die Herren Roms waren, gab es Bordelle – stellen Sie sich vor, man fände heute ein Bordell im Vatikan! Heute trennen sich die zwei Sphären, und zwar in allen Religionen.

Religionen ohne Kultur werden fundamentalistisch, sagen Sie. Dann wäre der Fundamentalismus eine Folge der Säkularisie­rung.

Roy: Das ist er auch. Die Säkularisierung hat die Religion nicht zerstört, sondern isoliert. Die dominante Kultur verliert das religiöse Wissen – mit Atheismus hat das nichts zu tun, die Atheisten des 19. Jahrhunderts, Marx, Freud, kannten die Religion sehr gut. Umgekehrt denkt die Religion die Kultur als etwas Externes und versucht sich allein auf den Glauben zu stellen. […]

Doch extremistische Gruppierungen wie al-Qaida stoßen doch auf gewisses Verständnis auch in traditionellen Gesellschaften.

Roy: Keine einzige politische Gruppierung in den arabischen Ländern unterstützt bin Laden. Seine Basis sind die globalisierten Moslems. Bin Laden ist kein Traditionalist, die Scharia interessiert ihn gar nicht. Er kümmert sich auch einen Dreck um die arabischen Staaten. Soeben hat er eine englischsprachige Seite lanciert – warum? Weil die Leute, die sich für ihn begeistern, eben nicht Arabisch können! Weltweit gibt es immer mehr Konvertiten, gerade unter den Fundamentalisten, al-Qaida besteht zu circa 20 Prozent daraus. Sie sind der sichtbarste Ausdruck der „ent­wurzelten Religionen“.

Der Trend zur Ablösung von der Kultur trifft Ihnen zufolge alle Religionen – im Christentum etwa analysieren Sie die weltweite Ausbreitung der Evangelikalen. Abgesehen von der Politik – was haben diese christlichen Bewegungen mit den islamischen gemeinsam?

Roy: Sie verweigern den Kompromiss, man ist drin oder draußen. Die jeweils bei den Angehörigen der Religion dominante Kultur ist für sie heidnisch – die Salafisten wenden sich ja zuallererst gegen die muslimische Kultur. Es genügt nicht, nominell gläubig zu sein, man befindet sich also nicht mehr in einer Kirche, sondern einer Glaubensgemeinschaft, einer Sekte. Verloren hat man die Kontinuität von Kirche und Gesellschaft inklusive den Nicht­gläubigen. […]

Der Multikulturalismus ist eine Illusion, schreiben Sie, es gehe nicht um Kultur, sondern um Religion. Aber auch Migranten­vertreter sprechen von Kultur und Identität…

Roy: Weil das akzeptiert wird. Aber der Glaube ist keine Identität, der Glaube ist ein Glaube. Das Problem ist, dass man die Spezifität des Religiösen heute nicht sehen will, die Sprache des Glaubens ist unverständlich geworden. Deswegen werden auch die Kirchen zu Sekten – weil die anderen das, was sie motiviert, nicht mehr verstehen.

Vom Mythos des Matriarchats zur modernen Gender-Forschung

Mittwoch, August 18th, 2010

In The Myth of Matriarchal Prehistory – Why An Invented Past Won’t Give Women A Future (2000) fasst die Feministin Cynthia Eller die politische und wissenschaftliche Kritik an der sog. Matriarchats-These bündig zusammen. Für eine „patriarchale Revolution“ in der Vor- und Frühgeschichte indo­europäischer und semitischer Gesellschaften gebe es nicht nur keine Beweise; es lasse sich sogar zeigen, dass die Gesellschaften davor nicht einen Deut weniger androzentrisch, männerdominiert und „patriarchal“ waren als ihre Nachfolger.

So blamiert sich die – jüngst von Thomas Maul wieder aufgewärmte – antisemitische Legende, wonach der von Mohammed adaptierte jüdisch-monotheistische Glaube auf der arabischen Halbinsel „das Patriarchat“ eingeführt habe, schon an der Tatsache, dass eine der wesentlichen Neuerungen des Koran auf dem Feld der Geschlechterverhältnisse im Verbot der bis dahin gebräuchlichen Tötung weiblicher Kleinkinder bestand: Töchter galten in dem von Maul herbeiphantasierten vorislamischen „Matriarchat“ als schlechthin unerwünscht, „weniger wert“ als ihre Brüder. (mehr …)

Michael Heinrich: Kapital, Kredit, Krise

Montag, August 16th, 2010

Eine kurze (40 min.) und verständliche Einführung in die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise:

[Vierteilige Youtube-Playlist des Vortrags von Michael Heinrich auf dem Kongress „Make Capitalism History„, veranstaltet von dielinke.SDS am 2.-4. Okt. 2009, FU Berlin]

How Christians disprove Einstein

Freitag, August 13th, 2010

„Jesus’s healing powers faster than the speed of light“: Conservapedia disproves Einstein with John 4:46-54.