Nun hab ich mir doch mal das Buch von Thomas Maul, Sex, Djihad und Despotie, besorgt, um die dafür verausgabten Spesen nach einer halben Stunde Lektüre auch schon wieder zu bereuen. Den mit Beleidigungen gegenüber dem Mainstream der Gender-Forschung nur so gespickten pornographischen Rassismus des Autors auch noch inhaltlich zu kommentieren, verbietet wohl der gute Geschmack. Zur Arbeitsweise kann ich mir ein paar persönliche Anmerkungen allerdings nicht verkneifen.

So hat sich Maul nirgends die Mühe gemacht, die von ihm verwendete Sekundärliteratur erst umständlich zu paraphrasieren. Er kopiert sie einfach durch stil- und wortgetreute Übernahme ganzer Absätze selbst dort, wo es sich um Autoren handelt, die er – so dreist war wirklich noch kein Plagiator vor ihm – öffentlich angreift, beleidigt und schließlich sogar als „Abschreiber“ (S. 130) denunziert. Wie bitte?! Schamlosigkeit, sagte einst Freud, ist das erste Anzeichen von Schwachsinn.

Um nicht mit endlosen Beispielen zu langweilen, greife ich hier nur ein einzelnes Belegstück heraus. So heißt es etwa in Arno Schmitts „liwāṭ im fiqh“ (PDF):

Wer also anklagt, läuft nicht nur Gefahr wegen Verleumdung bestraft zu werden, setzt sich nicht bloß dem Verdacht aus, zugeschaut zu haben, statt es zu verhindern, er handelt auch unmoralisch.

Der gleiche Satz findet sich bei Maul auf Seite 162:

Wer anklagt, läuft hier nicht nur Gefahr, wegen Verleumdung bestraft zu werden, setzt sich nicht bloß dem Verdacht aus, zugeschaut zu haben, statt es zu verhindern, er handelt – wie der Geständige – auch unmoralisch, indem er die Unmoralität ans Licht zerrt.

Das ist durchweg charakteristisch für etwa die Hälfte bis zwei Drittel des Kapitels über „islamische Homophobie“. Es ließe sich von daher die Frage stellen, wie viele Seiten des Buches überhaupt vom Autor selber stammen. Denn wo er nicht problemlos plagiieren kann, weil er es zum Beispiel mit einer Autobiographie zu tun hat, zitiert er seine Vorlage, wie im Falle Halima Alaiyans (S. 196-199), ohne Unterbrechung teils über ganze vier Seiten hinweg. (Allein das Alaiyan-Zitat macht so fast zwei Prozent des fortlaufenden Textes aus.)

Nach der Lektüre besagten Kapitels, dessen vergleichsweise spärliche Sekundärliteratur ich zufälligerweise gut kenne (sie besteht im Wesentlichen aus mir und Arno Schmitt), würde ich den Eigenanteil an diesem Buch auf kaum mehr als ein Drittel veranschlagen. Er beschränkt sich vor allem auf Ausfälle und Tiraden gegen „linke Islamapologeten“, unfundiertes Abfeiern der „jüdisch-christlichen“ Tradition, Generalisierung von Negativstereotypen an den zu „Feinden“ erklärten Muslimen und ihre rassistische Entwertung zu Lochstopfern und (in Adoption der Hetzphrase Theo van Goghs) „Ziegenfickern des Propheten“.

Wie ich bislang nur vermuten kann, geht wohl auch ein hoher Prozentsatz des in der Jungle World vorveröffentlichen und noch vergleichsweise harmlosen Textes „Sexualität und Despotie“ auf die Vorarbeit des rechtsradikalen katholischen Fundamentalisten Hans-Peter Raddatz und dessen Buch Allahs Schleier zurück. Eine genauere Überprüfung von Mauls plagiatorischer Tätigkeit steht hier allerdings noch aus und dürfte erst mit meinem nächsten Bibliotheksbesuch erledigt sein.

Als relativ bezeichnend stellt sich schließlich auch die Tatsache dar, dass das Literaturverzeichnis zu 99% aus deutschen Titeln besteht – obwohl jeder weiß, dass die maßgebliche Literatur in diesem Bereich heute zu 99% auf Englisch erscheint. Insofern darf es niemanden verwundern, dass man bei Maul Standardwerke zu dem von ihm angefassten Thema wie etwa Rudolph Peters‘ Crime and Punishment in Islamic Law oder Leila Ahmeds Women and Gender in Islam vergeblich sucht – Lücken, die der Autor entweder durch die interessierten Werke von christlichen Fundamentalist_innen wie Christine Schirrmacher, die hierzulande übliche „islamkritische“ Erbauungsliteratur oder einfach seine eigene Phantasie füllt.

Mit der Veröffentlichung dieses pornorassistischen Pamphlets hat sich der für seinen Esomarxismus bekannte Verleger wohl endgültig zum David Horowitz der deutschen Linken gemacht. Einen kulturalistischen Erklärungsansatz, der Jugendliche in Berlin-Kreuzberg qua Religion mit den Mullahs im Iran gleichsetzt1 und beider Denken und Handeln aus mittelalterlichen Texten rekonstruieren zu können glaubt, noch unter dem Schlagwort „Materialismus“ abzuheften, ist wohl eher ein schlechter Scherz. Jedoch ist dem Verlag in seinem neokonservativen Furor mittlerweile alles recht, um für Krieg, Kolonialismus und eine härtere Gangart in der „Ausländerpolitik“ zu werben. Die Frage ist nur, wie lang eine emanzipatorische Linke das noch mitträgt.

  1. „Zwar ist die islamische Welt kein monolithischer Block und die Unterschiede zwischen Teheran, Istanbul und Berlin-Kreuzberg sind für potentiell Betroffene Unterschiede ums Ganze – und doch steht zu befürchten, daß diese Unterschiede muslimischer Vergesellschaftung nicht viel mehr bezeichnen als unterschiedliche Niveaus auf ein und derselben apokalyptischen Krisenlösungsspirale, deren Höhe- und Endpunkt das moderne Selbstmordattentat verkörpert […].“ (Thomas Maul, Sex, Djihad und Despotie. Freiburg 2010, 170). []