Es ist ja seit zehn Jahren so richtig aus der Mode gekommen, in der “radikalen” deutschen Linken noch von Imperialismus zu sprechen – nur weil Antiimperialisten, zugegebenermaßen, nicht immer alle Tassen im Schrank haben.
Deshalb ein paar simple Fakten, wovon da eigentlich abstrahiert wird – und wofür diese Linke nicht mal mehr ein Lexem besitzen zu müssen glaubt:






















http://www.oekonomiekritik.de/506Radikale-Kurzschluesse.rtf
das war fast zu erwarten dass da jemand “aufjault” wenn über USA-imperialismus die rede ist..
Ich versteh jetzt nicht ganz. Nur weil die marxistischen Imperialismustheorien alle falsch sind – das hab ich selbst immer betont, dass der Marxismus über keinerlei zutreffende Imperialismusanalyse verfügt; dass er mit diesem Phänomen einfach nicht zurande kommt -, soll man von der Sache selbst, dem Imperialismus, nicht mehr reden dürfen? Was für ein Quatsch!
Nicht?
Soll ich mir das jetzt mal schnell durchlesen?
Bloß nicht! Was würde das denn bringen?
Ist mir eigentlich schnuppe. Aber wer so selbstsicher über die marxistischen Imperialismustheorien urteilt, sollte doch zumindest die seiner “Lieblingsgegner” kennen, oder?
@bla:
War einfach so dahergealbert. Klar sollte er sich damit auseinandersetzen, bevor er so ein Pauschalurteil fällt. Und was es bringen könnte: Womöglich eine Einsicht!
@bla:
Aha, LOL, meine “Lieblingsgegner”. Das nenn ich mal Paranoia! Meine Gegnerschaft besteht dann wohl hauptsächlich im von dir offenbar als feindselig wahrgenommenen Ignorieren. Es ist aber – ich darf dich beruhigen – überwiegend einfach nur Desinteresse.
Aus deinem Desinteresse erklärt sich dann auch wohl dein abwatschen jeglicher materialistischer Imperialismustheorie und den Ersatz durch deinen Vorwurf an die Imperialismusbetreiber: Zu viele Leichen, zu viele Gefangene, üble Fremdherrschaft. DAS müssen die echt in den Griff kriegen, dass ihre eigenen Nationalisten ihr Land wieder uneingeschränkt lieben können.
Zumal die Debatte in den USA ja nur allzu heftig geführt wird. Cox und die Neogramscianisten vs. Neokonservative vs. Joseph Nye usw.
aber ist es nicht eigentlich so, dass viele linke sich mittlerweile eher an dem konzept des empire orientieren, also dass das konzept `anti-imperialismus´ über deutschland hinaus eher ein auslaufmodell ist?
Ist doch scheißegal, wie man’s nennt. Du kannst es auch “Blumentopf” nennen. Und für Kapitalismus sagen wir künftig “Geranie” oder “soziale Marktwirtschaft”. Das hört sich dann gar nicht mehr so schlimm an.
“das war fast zu erwarten dass da jemand “aufjault” wenn über USA-imperialismus die rede ist..”
Du bist wirklich ein Volltrottel. Begriffliche Klarheit einzufordern, hat nichts damit zu tun, eine vermeintlich USA “imperialismus” zu verteidigen.
Rhizom:
Die Frage ist aber, ob der Begriff Imperialismus überhaupt tauglich ist, um Beziehungen zwischen kapitalistische Staaten zu erklären. Ein Althusser Leser wie Du soll doch wissen, das der Theoretiker erst seinen Gegenstand schafft. Aber wenn sämtliche Imperialismustheorien falsch sind, was bleibt denn von “Imperialismus” ausser ein leerer Platzhalterbegriff?
Stell dir doch einfach mal vor, jemand würde behaupten, dass die Erklärungen für den Irak-Krieg falsch sind. Hat er damit behauptet, dass es den Irak-Krieg nicht gibt? So ungefähr versuchst du aber gerade zu argumentieren. Dazu kommt ja noch, dass ich oben lediglich die marxistischen Imperialismustheorien für falsch erklärt habe. Habe ich damit alle Imperialismustheorien verworfen? Nein, natürlich nicht.
Dass Marxisten echte Probleme mit dem Verständnis des Imperialismus haben, sieht man ja sehr schön an dem von dir verlinkten Heinrich-Text, der sogar so weit geht, einfach die Existenz des Gegenstands abzustreiten – einen Gegenstand, den man oben in dem Video ausführlich begutachten kann. Man muss schon sehr fanatisch sein, wenn man eine Sache einfach leugnet, nur weil man sie nicht in seiner Theorie unterbringen kann.
Das Problem für Marxisten besteht ganz offenbar darin, dass sich der Imperialismus nicht auf die Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit reduzieren lässt. Für die Staaten ist er ein “Luxus” (Bismarck), keine aus der politischen Ökonomie resultierende Notwendigkeit. Es gibt keine Akkumulationsprobleme, die durch den Imperialismus gelöst werden könnten. Man kann damit weder neue Absatzmärkte erschließen, noch den tendenziellen Fall der Profitrate aufhalten. Und die Rohstoffe gibt es auf dem freien Markt in der Regel günstiger, als wenn man sie in teuren Beutezügen raubt.
Glaubt jemand ernsthaft, dass die USA in Irak oder Afghanistan ein Plus machen? Dass sie dort nach Absätzmärkten, Rohstoffquellen oder billigen Arbeitskräften suchen? Marxisten, die keine Vorstellung von der Autonomie des Staates und der Politik haben, versagen daher regelmäßig, wenn es um eine theoretische Erklärung des Imperialismus geht. Deshalb seine Existenz zu leugnen, wie das Heinrich tut, ist aber leider auch keine Lösung! Eher ist es so etwas wie ein Offenbarungseid.
Am besten nicht so viel theoretisieren, dann gibts die Gegenstände auch nicht.
Du verwechselst da aber gerade den Versuch aus der Krise zu kommen mit dem tatsächlichen Gelingen. Der Zusammenhang zwischen Krise und Krieg ist ja nicht einfach dergestalt, dass da das Personal des Kapitals zusammensitzt und beschliesst jetzt den tendenziellen Fall der Profitrate aufzuhalten. Aber ich glaube auch nicht, dass diese Erklärung in der marxistischen Diskussion weit verbreitet ist. Im Gegenteil gibt es doch gerade den Versuch zum Beispiel am Zweiten Weltkrieg das Zusammenspiel von der Verschiebung der Produktionskapazitäten auf den «nicht marktförmigen» Sektor, dem stummen Zwang diese Mittel dann auch mal einzusetzen und der ideologischen Komponente zusammenzudenken. Ganz so blöd wie du es hier darstellst sind marxistische Theorien zum Imperialismus dann doch nicht.
was ist denn aber nun der inhalt des begriffs “imperialismus”? das durchdrücken von strategischen zielen per gewalt? ist dann nicht jeder krieg imperialistisch?
das problem ist, dass dieser begriff zu verwirrung führt, weil er fürs 19. jahrhundert eine von “kolonialismus” kaum abzugrenzende bedeutung hat. und irak soll halt keine amerikanische kolonie werden.
ausserdem bürdet man sich dann die gesamte begriffsgeschichte, auch die linker theorien, mit auf. ich denke, sowas befördert nur konfusion, wei les dazu führt, dass einem positionen einfach unterstellt werden
Ja, dann schlag halt einen alternativen Begriff für das vor, was du oben in dem Video siehst! Ich bin gespannt. Mein Favorit ist immer noch “Blumentopf”! Heinrich schlägt “internationale Beziehungen” vor oder “das Aufeinanderstoßen von Staaten”. Das ist in seiner euphemistischen Leugnung aller Machtgefälle fast so schön wie “soziale Marktwirtschaft”.
Da sind die Chilenen, die Vietnamesen, die Haitianer also auf die USA gestoßen! Von Tätern und Opfern wollen wir da gar nicht reden. Das wäre schließlich purer Antiamerikanismus.
@ bigmouth
Gewaltförmige Außenpolitik ist sicher zu wenig. Ein ganz wesentlicher Punkt ist m.E., dass die Opfer des Imperialismus einer anderen – nämlich deutlich brutaleren – Herrschaft unterworfen werden als die Menschen im Mutterland und dass die Integration der unterworfenen Bevölkerung als Staatsbürger nicht erwünscht ist. Das ist schon interessant, weil es ja der Stabilisierung der neu gewonnenen Macht zuwiderläuft.
Ich würde einfach mal sagen, was sich da durchzieht, ist die gewaltsame Aufrechterhaltung kapitalistischer Ausbeutungsbeziehungen, die Herstellung einer “bürgerlichen Weltordnung” durch den Staat, der am meisten davon profitiert. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich nenn das weiter Imperialismus, ob euch das passt oder nicht. Ihr dagegen könnt gerne “soziales Engagement in der Außenpolitik” dazu sagen; das ist mir im Grunde wurscht. Es zeigt halt eure Wahrnehmung der Sache, den Umstand, dass ihr damit nicht so wahnsinnig viele Probleme habt. – Aber warum auch? Es ist ja nicht euer Schaden, wenn die USA mal wieder irgendwo in Lateinamerika einen faschistischen Diktator installieren, weil sie durch Reformen des Eigentums dort die “Freiheit” bedroht sehen.
das ist wirklich billige verleumdung.
gibt es für dich nur amerikanischen, entschuldige us-amerikanischen imperialismus?
und jetzt nicht gleich wieder böse werden
Nein, es gibt jede Menge Imperialismen, nur hat keiner auch nur annähernd die politische Bedeutung, die dem Imperialismus des Welthegemons zukommt.
“Es zeigt halt eure Wahrnehmung der Sache, den Umstand, dass ihr damit nicht so wahnsinnig viele Probleme habt.”
Ein Begriff klären zu wollen, heisst mit gewaltsame Staatenbeziehung keine Probleme zu haben?
Man, du wirst immer und ewig ein Bahamas-Zögling bleiben, weil du diese ML-Verleumdungstaktik tief verinnerlicht hast.
Oh mein Gott, ihr werdet ja noch ein bisschen Polemik aushalten können! Es ist ja nicht so, dass ihr keine Möglichkeit hättet, euch zu wehren. Man muss die Sache auch mal zuspitzen, um herauszufinden, warum euch der Imperialismus-Begriff so stört. Dass Marxisten aufgrund ihres Vulgär-Ökonomismus bei der Erklärung der Sache versagt haben, ist jedenfalls kein Grund, von ihrem Begriff abzurücken.
na ja, da steckt “imperium” mit drin – und zwar nicht im sinne von “befehlsgewalt”, sondern von “weltreich”. und als polemik gegen bestrebungen zu einem solchen ist der begriff überhaupt entwickelt, und von Luxemburg, Lenin usw übernommen worden – und daran denken leute eben, wenn sie den begriff hören. damit wird suggeriert, die USA täten in afghanistan eigentlich das selbe wie in mittelamerika in den 20ern oder auf den philippinen im 19. jahrhundert – und das, denke ich, ist verkehrt
bigmouth, solche Probleme haben 90% aller theoretischen Begriffe. Solange es keinen sinnvollen Ersatz gibt, seh ich keinen Grund, diesen Begriff nicht mehr zu verwenden, zumal es nur der Name für eine Sache ist, und es einzig auf die Bestimmung der Sache selbst ankommt.
Allerdings ist die Tradition dieses Begriffs für mich das beste Argument, ihn beizubehalten. Der Begriff schleppt nämlich eine ehrenwerte Geschichte politischer Kritik mit, die in über 100 Jahren geleistet wurde. Und ihn durch einen vermeintlich “unbelasteten” oder “wertneutralen” Terminus zu ersetzen, ist für mich nichts als der Versuch, diese kritische Dimension zu eliminieren.
Das ist der Grund, warum ich so dünnhäutig auf solche terminologischen Spielchen reagiere! Du kannst das gerne mit der Debatte um den Rassismus-Begriff vergleichen. Es war ein politischer Akt, in der BRD durchzusetzen, dass nicht mehr von “Ausländer-” oder “Fremdenfeindlichkeit”, sondern von Rassismus die Rede ist. Zwar könnte man auch hier behaupten, dass der Begriff historisch irreführend sei, da ja kaum ein Mensch mehr die biologischen “Rassentheorien” des 19. Jahrhunderts vertritt. Trotzdem gibt es eine Kontinuität, die durch die Abschaffung des Begriffs einfach unsichtbar gemacht werden würde.
Dazu kommt, dass sämtliche Ersatztermini blanker Schrott sind: “Ausländerfeindlichkeit”, weil die Feindschaft sich ja keineswegs nur gegen Leute richtet, die keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen und es eher darum geht, Menschen von dieser Staatsbürgerschaft auszuschließen; “Fremdenfeindlichkeit”, weil es so tut, als hätte der Rassismus etwas damit zu tun, in welchen Nahverhältnissen man zu jemandem steht. Als wären mir nicht 100% der Menschheit fremd!
Tatsache ist, dass es keinen adäquaten Ersatz für den Imperialismusbegriff gibt, und es existiert auch kein überzeugender Grund, nach einem solchen zu suchen.
ja, denn in afghanistan geht es um frauenrechte und ajz-feminismus!
da geht’s jedenfalls nicht um die bilanz der united fruit company, oder die option einer amerikanischen kolonie aufrecht zu erhalten
Als hätte das hier jemand behauptet, bigmouth. Bitte lies vorher die Beiträge, bevor du postest.
natürlich gehts den amerikanern bei afghanistan um frauenrechte. deshalb haben sie ja in den 1980ern die kommunistische regierung nach kräften bekämpft (vor allem über die unterstützung islamistischer kräfte)
Der Quatsch mit den Frauenrechten, Demokratisierung, Aufbauhilfe usw. kam ja erst später als Rechtfertigung dazu. Inzwischen spielen die in der Propaganda schon wieder keine Rolle mehr, stattdessen gehts um die Verteidigung der eigenen Truppen und Rache für Angriffe auf selbige.
Langsam wird blogsport.de scholastisch! Natürlich fasst man mit dem Begriff des Imperialismus auch die heutigen Phänomene der Staatenkonkurrenz. Man kann auch gleichzeitig die verfehlte Imperialismustheorie von Lenin bspw. erklären und kritisieren.
“Imperium” als Amtsgewalt/Befehlsgewalt meint doch wohl zuerst einmal, dass die kapitalistischen Nationalstaaten den ganzen Erdball nach ihrem Bilde, wie es im Manifest heißt, zurichten. Ob dass dann mit direkter Okkupation oder mithilfe von militärischer Zugangskontrolle geschieht ist eine ganz andere Frage. Der Kapitalismus ist auch nicht mehr der von 1860. Deshalb ändert sich aber am Grundprinzip noch lange nichts.
aber eben das bedeutet das “imperium” in dem begriff ja gar nicht
Interessant! Die Amerikaner nehmen den ganzen Erdball als ihre Einflusssphäre und das hat begrifflich nix mit Imperium zu tun…bitte informiere dich doch mal, bevor du so einen Unsinn schreibst.
“Am besten nicht so viel theoretisieren, dann gibts die Gegenstände auch nicht.”
Lieber Idiot, erst muss der in der Lage sein, den Gegenstand zu bestimmen. Das tun Imperialismustheorien leider nicht.
Oha, warum tut das die Theorie der MG nicht? Weil sie nicht den Gegenstand schafft, den du gerne hättest oder nicht hättest?!
Um rhizom zu zitieren: “Soll ich mir das jetzt mal schnell durchlesen?”
Ich warte lieber auf die komprimierte “Junge Linke” Fassung.
Tja, dann kannst du aber nicht behaupten, dass keine linke Theorie den Gegenstand trifft, wenn du sie nicht mal kennst, Opa.
Das Hauptproblem der Imperialismustheorien scheint mir zu sein, dass sie von einem dichotomen gegeneinander einzelner Interessenstandpunkte ausgehen, die als irgendwie ontologisch vorausgesetzt werden. Daran ist zweierlei problematisch: zum einen sind die nicht zwingend gegeneinander gerichtet, sondern können sich in unterschiedlichsten koalitionen zusammenschließen oder auch nicht. so haben beispielsweise auch außerhalb der USA viele nationen ein interesse an der aufrechterhaltung der dollar-hegemonie, da ohne diese weite teile der gesamtwirtschaftlichen weltökonomie zusammenklappen dürften. zum anderen sind diese interessens-positionen erst durch die spezifische logik weltweiter kapitalverwertung geschaffen und dieser keineswegs vorausgesetzt. darum wäre imperialismus m.e. als bestandteil dieser logik zu relativieren und zu bestimmen. zusammen mit punkt 1 wirft das die frage auf, ob der begriff des empire, wie ihn hardt/negri aufgeworfen haben, dies nicht zu leisten vermag.
hm, hab ich das jetzt wirklich geschrieben?