Veranstaltungshinweis zum CSD – oder wie es jetzt heißt: „Gay Pride“ – in Köln:

Der von Edward Said 1978 geprägte Begriff „Orientalismus“ bezeichnet den eurozentrischen westlichen Blick auf den Orient bzw. die arabische Welt. Sein Werk ist ein wichtiger Beitrag für die aktuelle postkoloniale Wissenschaft und zeigt, wie sehr der Blick auf den Orient von kolonialistischen Annahmen geprägt ist. So werden heute sexuelle Pressionen in islamischen Staaten oft zur Unterstützung einer Argumentation benutzt, die Muslime als „rückständig“ darstellt. Diese Wahrnehmung ist auch charakteristisch für die hiesigen politischen Reaktionen auf die Verfolgung iranischer Männer, die Sex mit Männern haben. Statt daraus ein Argument für die Liberalisierung des Asylrechts zu machen, wird häufig eine Verschärfung des Zuwanderungsgesetzes gefordert, um „das Vormoderne aus dem Westen auszusperren“. Entsprechend müssen lesbische und schwule Flüchtlinge weiter mit ihrer Ausweisung rechnen, während gleichzeitig überlegt wird, die Toleranz gegenüber homosexuellen Lebensweisen zur Voraussetzung einer Einbürgerung nach Deutschland zu machen.

Vortrag und Diskussion mit Georg Klauda, Berliner Soziologe und Autor des Buchs Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und Heteronormalisierung der islamischen Welt (Hamburg: Männerschwarm, 2008).

Zeit: Do., 24. Juni 2010, 19:30 Uhr.
Ort: RUBICON Köln, Rubensstraße 8-10.