Ein besonderes Kuriosum der fanatisch „pro“-israelischen Lobby in den USA, die den Friedensprozess durch ihre bedingungslose Solidarität mit der israelischen Siedlungspolitik seit Jahrzehnten torpediert, ist die Tatsache, dass sie zu nicht unwesentlichen Teilen gar nicht von amerikanischen Juden (die in ihrer übergroßen Mehrheit liberale Obama-Wähler sind), sondern mindestens ebenso sehr von radikalen Antisemiten wie dem Magachurch-Pastor John Hagee getragen wird.

http://www.youtube.com/watch?v=IWMmVIAtHAU

Neben seiner Rolle als geistiger Anführer der Bewegung „Christians United for Israel“ (CUFI) ist Hagee einer der bestbezahlten fundamentalistischen Fernsehprediger in den USA und Vorstandsvorsitzender der „Hagee Ministries“, die mit ihrem nationalen Rundfunkprogramm 160 TV- und 50 Radio-Stationen versorgen. Angeblich ist es seinem Kirchenkonzern damit möglich, jede Woche bis zu 99 Millionen amerikanischer Haushalte zu erreichen.

Obwohl von führenden amerikanischen Politikern wie John McCain, Joseph Lieberman und Tom DeLay umworben, ist Hagee nicht gerade leichte Kost, was seine Ansichten über Juden und Homosexuelle angeht – über die man bislang allerdings großzügig hinweggesehen hat. Ein extremes Beispiel dafür ist eine kürzlich bekannt gewordene Predigt aus dem Jahr 2006, in der er Hitler unter Verweis auf die Bibel zu einem Teil von Gottes Plan erklärt mit dem Ziel, die Juden nach Israel zu treiben:

http://www.youtube.com/watch?v=3EFVNrjOpJA

Der Anti-Christ, erklärt Hagee in einer weiteren Predigt, werde wenigstens zum Teil jüdisch sein – wie Karl Marx und, Hagees Ansicht zufolge: Adolf Hitler -, sich darüber hinaus aber auch als Gotteslästerer und Homosexueller zu erkennen geben. Eine Prophezeiung, die Hagee aus einer literalistischen Deutung von zufälligen Bruchstücken der Bibel ableitet:

Trotz seiner von religiösem Wahnsinn geschüttelten Ansichten versteht es der homophobe Holocaust-Revisionist John Hagee gleichwohl immer wieder, sich in einen Mantel der Honorigkeit zu hüllen – etwa indem er sich für eine halbe Millonen Dollar den jüdischen Nobelpreisträger Elie Wiesel als öffentlichen Redner und Gesprächspartner einkauft.

Mit seinen schier unerschöpflichen Geldmitteln beteiligt sich Hagee aber auch direkt an der Finanzierung illegaler Siedlungsprojekte im Westjordanland, wie der amerikanische Journalist Max Blumenthal (Republican Gomorrah) herausgefunden hat. In einem seiner mittlerweile berüchtigten Video-Clips kontrastiert Blumenthal die durch die großzügigen Spenden Hagees ermöglichten luxuriösen Lebensverhältnisse in der jüdischen Siedlung Ariel mit dem Elend der in unmittelbarer Nachbarschaft eingepferchten und durch schießwütige Siedler und IDF-Soldaten in ihrer Sicherheit bedrohten Palästinenser, die sich aufgrund fehlender Baugenehmigungen auf immer kleinerem Raum zusammendrängen müssen:

http://www.youtube.com/watch?v=UMNEKvOAiv4

Das Beispiel John Hagees erscheint zunächst wie eine exotische Blüte in der Geschichte des nicht-jüdischen Prozionismus, setzt aber in Wirklichkeit eine lange Kette der Verschwisterung zionistischer und antisemitischer Positionierungen fort, die von Arthur James Balfour über Richard Nixon bis zu Jean Marie LePen hinaufreicht. Trotz seiner ostentativen Israelfreundlichkeit blieb dieser Prozionismus stets radikal gegen die Juden gerichtet – zu Balfours Zeiten, weil er die englischen Juden als fremdes „Gastvolk“ markieren sollte, das die britische Staatsangehörigkeit gleichsam nur unter Vorbehalt genieße. Und schlimmer noch in Hagees religiöser Wahnwelt, welche die Juden zum Kanonenfutter im Endzeitkampf gegen den muslimischen Erzfeind erkürt, wofür jede auf Landzugeständnisse beruhende Friedensinitiative zum Unsinn erklärt und Israel für das bevorstehende „Armageddon“ bis oben hin mit Waffen vollgestopft werden muss.

Schockierend ist dabei vor allem, wie wenig Anstoß „pro“-israelische Politiker an dieser sich freudig nach Krieg und nuklearer Vernichtung sehnenden christlich-messianischen Bewegung nehmen, die den Holocaust offen als Gottes List bejaht und in Washington trotzdem als eine ernstzunehmende Lobby gilt. Dass ihre Mitglieder genauso wahnsinnig wie ihre Anführer sind, beweist Blumenthal indes mit einer Reihe von Interviews, die er auf seiner „Christians United for Israel Tour“ 2007 in Washington sammelte. Und wie bei allen seinen Videos kann man sich auch hier trotz – oder gerade wegen – all des rechten Irrsinns, den er vorführt, ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen: