Monatsarchiv für Februar 2010
So, mein vorläufig letztes Posting zur “Causa Finkelstein”, und wahrscheinlich wieder genauso polarisierend. Danach hab ich von diesem Emo-Thema, von dem ich hoffe, dass es einige Leute noch mal zum Nachdenken bringt, fürs Erste definitiv genug.
Nach einer Woche der versuchten character assassination gegen Norman Finkelstein, die in mehreren Vortragsabsagen, u.a. seitens der Rosa-Luxemburg-Stiftung mündete, präsentiere ich hier einen einstündigen Vortrag – mit anschließender 40-minütiger Diskussion -, in dem Finkelstein sich die Mühe macht, den weithin unumstrittenen Konsens der internationalen Gemeinschaft über die friedliche Beilegung des Israel-Palästina-Konflikts zu referieren und die Aussaat ideologischer Verwirrung zu kritisieren, durch welche die gleichermaßen simple wie unerwünschte Lösung – ein Ende der israelischen Besatzung – seit Jahrzehnten torpediert wird.
Immer wieder ein Faszinosum: die evangelikale Szene in den USA. Im folgenden Youtube-Video wirbt eine religiöse Hiphop-Band für den “Christian side hug” als Ersatz für die frontale Umarmung (front hug), die man offenbar als furchterregende Gefahr für das Ziel sexueller Enthaltsamkeit betrachtet. Wobei “wirbt” vielleicht das falsche Wort ist: wer nicht pariert, dem wird ein Schlag ins Koma angedroht…
Wie schon bei der konservativen Teabagger-Bewegung ist man sich vielleicht nicht ganz der Doppeldeutigkeit von Sätzen wie “I’m a rough rider” bewusst … just saying.
Gefunden hab ich das übrigens bei meinem Lieblings-Vlogger Ray William Johnson, der sich im selben Beitrag auch den republikanischen Senator Chris Buttars vornimmt. (O-Ton Buttars: “I don’t mind gays … but I don’t want them stuffing it down my throat all the time … and certainly in my kid’s face!”)
Und wer noch nicht genug hat: in der aktuellen Folge widmet sich Ray den Äußerungen einer konservativen Kongress-Abgeordneten, die sich öffentlich in pornographischen Phantasien verliert, nur um zu beweisen, dass die Praktik des Analverkehrs für sie nicht in Frage komme, daher irgendwie “nicht normal” sei und es rechtfertige, gleichgeschlechtliche Paare gegenüber der Heterosexuellen-Ehe zu benachteiligen. Eine Lücke in der Argumentationskette? Hey, das ist eine gottesfürchtige Frau, was erwartet ihr!
Ein cooler, humorvoller und, wie ich finde, sehr um Differenzierung bemühter Dokumentarfilm von Yoav Shamir zum Thema Antisemitismus heute:
Israeli director Yoav Shamir embarks on a provocative – and at times irreverent – quest to answer the question, “What is anti-Semitism today?” Does it remain a dangerous and immediate threat? Or is it a scare tactic used by right-wing Zionists to discredit their critics? Speaking with an array of people from across the political spectrum (including the head of the Anti-Defamation League and its fiercest critic, author Norman Finkelstein) and traveling to places like Auschwitz (alongside Israeli school kids) and Brooklyn (to explore reports of violence against Jews), Shamir discovers the realities of anti-Semitism today. His findings are shocking, enlightening and – surprisingly – often wryly funny.
Download Defamation by Yoav Shamir (2009). Runtime: 91 min.
Alan Posener liest Thilo Sarrazin. Großes Theater! Ergänzend dazu: Ramona Ambs über “Sarrazins willige Vollstrecker“.
Unter dem offenen Einfluss der religiösen Rechten in den USA, die so etwas wie den ideologischen “Betriebssystemkern” des internationalen christlichen Fundamentalismus repräsentiert, forcieren evangelikale Kräfte in Uganda seit Monaten ein Gesetz, das für eine Reihe homosexualitätsbezogener Delikte die Hinrichtung oder – in minder schweren Fällen – Gefängnisstrafen bis zu lebenslanger Haft vorsieht.
In diesem Youtube-Video werden verschiedene Details des Gesetzes etwas näher beleuchtet und gezeigt, dass laut Parlamentsentwurf für eine Verurteilung nicht einmal der Vollzug sexueller Handlungen erforderlich ist. Es genügt bereits, sich für die Freiheit gleichgeschlechtlicher Liebe einzusetzen, LGBT-Organisationen zu fördern oder als Autoritätsperson Gesetzesbrecher nicht binnen 24 Stunden an die Polizei zu melden.
Wer gegen die bereits in wenigen Tagen drohende Verabschiedung des Gesetzes online petitionieren will, hat dazu hier eine letzte Gelegenheit.
Am 26. Februar soll der amerikanische Politikwissenschaftler Norman Finkelstein, unter anderem auf Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost, in Berlin einen Vortrag halten, der den etwas sperrigen Titel trägt: “Ein Jahr nach dem Überfall der israelischen Armee auf Gaza – die Verantwortung der deutschen Regierung an der fortgesetzten Aushungerung der palästinensischen Bevölkerung”. Vermutlich wird der Vortrag vor allem eine Collage seines neuen Buches ‘This Time We Went Too Far’ sein, über dessen Grundthesen man sich in zahlreichen Youtube-Videos informieren kann.
Indessen hat der Landesarbeitskreis (LAK) “Shalom”, der sich vor wenigen Jahren gründete, um die Linkspartei auf einen stramm proisraelischen Kurs einzuschwören, im Verbund mit anderen Gruppen zu einer Kundgebung aufgerufen, um unter dem Motto “Was zu viel ist, ist zu viel” aus diesem Vortrags- und Diskussionsabend, der nunmehr sogar in den Räumen der eigenen Parteistiftung stattfinden soll, eine Art öffentlichen Skandal zu zaubern. (mehr …)

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