Anfang des Jahres ist die Feuilleton-Debatte über „den Islam“ wieder hochgekocht. Allerdings meldeten sich diesmal auch einige kluge Köpfe zu Wort, um der Hetze, die von den deutschen Gazetten ganz im Stil des Berliner Antisemitismusstreits veranstaltet wird, mit einer entwaffnenden Analyse ins Wort zu fallen. Ein Beispiel dafür ist Prof. Achim Bühl, der in analyse & kritik auf ein antimuslimisches Hasspamphlet antwortet, das als bezahlte Beilage zu Jungle World und taz unlängst an zehntausende linksliberale Haushalte geliefert wurde. Die für den Text verantwortlich zeichnende „Aktion 3. Welt Saar“ wird dabei rücksichtslos als der rechtspopulistische Haufen bloßgestellt, der zu sein er öffentlich dementiert:

So landen die AutorInnen genau dort, wo sie zu Beginn ihrer Schrift vorgeben nicht landen zu wollen: beim Kulturalismus als postmodernem Neorassismus, einem Rassismus ohne Rassen, der den Terminus Rasse aufgibt, ohne dass die Exkludierung des Anderen und seine stereotype Abwertung als „anti-aufklärerisch“, „intolerant“, „unmodern“, „gewalttätig“, „anti-emanzipatorisch“, „herrschsüchtig“, „reaktionär“, „extrem patriarchalisch“, „homophob“, „machohaft“ nur einen Hauch an Schärfe verlieren würde. Gut, dass wir ja die besseren Menschen, vor allem Männer sind. Am neodeutschen Wesen soll wohl die Welt genesen …

Wenige Tage zuvor setzte sich auch Birgit Rommelspacher kritisch mit einer Sorte „Islamkritik“ auseinander, die einer ganzen Reihe von feministischen Alt-68erinnen wie Alice Schwarzer, Halina Bendkowski und Julia Onken dazu dient, Anschluss an die neue Rechte zu finden (siehe Mädchenblog).

Allerdings gab es auch schon früher chauvinistische Tendenzen innerhalb der Frauenbewegung, indem andere Gruppierungen mithilfe des Patriarchatsvorwurfs diskreditiert wurden. In den 1970er-Jahren richtet er sich vor allem gegen die Juden. Ihnen wurde vorgeworfen, einem archaisch verwurzelten Patriarchat verhaftet zu sein, und unter anderem auch, den sexuellen Missbrauch von Kindern zu legitimieren („Das bestgehütete Geheimnis“). Dass Jüdinnen Feministinnen sein konnten, war unvorstellbar. Dem gegenüber war, wie Franz Alt in seinem damaligen Bestseller titelte, „Jesus, der neue Mann“.

Weitere Interventionen umfassen einen Artikel von Hilal Sezgin über die antimuslimische Agenda des Feuilleton-Fastfood-Ladens Perlentaucher sowie ein Interview mit Wolfgang Benz, dem Direktor des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA), welcher von „anti“deutschen und anderen Demagogen unaufhörlich diffamiert wird, seit er und seine Mitarbeiter_innen damit begonnen haben, die verblüffenden Parallelen zwischen gegenwärtiger Islamfeindschaft und dem historischen „Gerücht über die Juden“ zu erforschen.

T-Online-Bildkommentar: Muslim mit Hakennase

T-Online-Bildkommentar: Muslim mit Hakennase

So tief wollten sich antimuslimische Hetzer wie Clemens Heni und Magnus Klaue dann aber doch nicht in die Karten schauen lassen und griffen in ihrer Abwehr deshalb zu altbekannten Methoden: politische Verleumdung und persönliche Denunziation. Lesenswert ist das kaum, signifikant für die aggressiv sozialchauvinistische Stimmungslage der bürgerlichen Linken von Freitag bis Jungle World dagegen allemal.