Archive for September, 2005

An introductory classic of gay & lesbian studies

Freitag, September 23rd, 2005

I’ve been asked several times if I could give some introductory literature on „the homosexual“ as a socio-historical construction. Actually there is a key essay on this topic written by the radical British sociologist Mary McIntosh in 1968 that predated Michel Foucault’s History of Sexuality by more than ten years. Whereas Foucault viewed „homosexuality“ as an invention of 19th century medical science, McIntosh regarded „the homosexual“ as a social role that first became visible toward the end of the 17th century in the form of a distinct „gay subculture“.

Although historians nowadays largely agree with McIntosh in matters of periodization, it has also been noted that her essay „suffers from the usual defects of a structuralist-functionalist approach, particularly in the purposive effort at social control that it implies“ (Jeffrey Weeks). Furthermore, McIntosh has been criticized for her „residual essentialism“ that suggests the existence of a universal homosexuality taking different historical shapes. This is all too obvious when she unquestioningly adopts the misleading interpretation of cultural anthropologists for whom transgendered people in Native American societies constitute an example of „institutionalized homosexuality“. And finally she lacked an analytical concept like that of „intimate friendship“ that could have enabled her to understand the time before homosexuality.

But nevertheless, Mary McIntosh was the first to ask the right questions. Her essay The Homosexual Role is not only the revolutionary starting point of a field that would later be known as „gay & lesbian studies“. Because of its terseness and clarity it also remains a suitable introduction into constructionist views of the „modern homosexual“. Therefore I took the effort to scan the text and make it available online.

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Rassismus meets Judenkarikatur

Donnerstag, September 15th, 2005

Ein widerliches Stück Naziprosa? Nein, nur der übliche Dreck des deutschen Feuilletons. Der Autor: Wilhelm Ruprecht Frieling. Bitte Kotztüten bereithalten!

Palmas Altstadt glich noch vor einem Jahrzehnt in Teilen einem gewaltigen Zigeunerlager. In den verfallenen und verkommenen Altbauten, die mit eingestürzten Dächern und zerbrochenen Scheiben unter der mallorquinischen Sonne zu Staub zerfielen, lebten diejenigen, die kein besseres Quartier erübrigen konnten. Selbst Einheimische wagten sich ungern in die dunklen Gassen, in deren Schmutz dunkelhäutige Zigeunerkinder junge Hunde quälten und mit Gerümpel spielten. Schnell konnte es geschehen, dass aus luftiger Höhe ein Gefäß mit Unflat über demjenigen geleert wurde, der ungeladen in den Gassen schlenderte. Schimpfworte, die kein Wörterbuch listet, folgten auf dem Fuße. Hier herrschte ein mobiles, in kinderreiche Großfamilien gegliedertes, wildes Volk nach eigenen Gesetzen: die Gitanos.

Was folgt, ist eine Ansammlung von rassistischen und antisemitischen Karikaturen: raffgierige alte Männer, dickleibig, auf einer Krücke humpelnd, mit „blitzenden Goldzähnen“, „fetten Goldringen“ und krächzender Stimme; schmutzige dunkelhäutige „Kinder, die man am liebsten an den Ohren aus dem Straßendreck ziehen und in eine Wanne mit Seifenwasser stecken möchte“; eine Gruppe „unglaublich geschickte[r] […] Trickdiebinnen, die von einer erfahrenen ‚Alten‘ angeleitet werden“ sowie „massige Matronen“ mit „rabenschwarzem Haar“.

Aber es gibt natürlich auch einen Helden in dieser Geschichte: einen „blassen Engländer“, der seine „Lektion[en] im Umgang mit Gitanos“ gelernt hat und den hehlerischen „Räuberhauptmann“ übers Ohr haut. Denn für die im Unrat der Vormoderne lebenden Zigeuner erscheint „alles was elektrisch oder aus Plastik ist“ teuer und wertvoll, während sie einen barocken Bilderrahmen für „wertlosen Müll“ halten. Und so trägt unser weißer Held den Sieg über die schwarzen Händler davon, die dem Autoren zwar wegen ihrer kommerziellen Denkungsart als äußerst verschlagen vorkommen, aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe aber eben zugleich als unsäglich dumm.

Wahrlich, eine erbauende Geschichte, wie man sie von jemandem, der sein Geld bei Lübbe, dtv und dem Börsenblatt des deutschen Buchhandels verdient, gar nicht anders erwartet!