Berlin, 7. Dez.: Von der Konstruktion des „homophoben Moslems“ zum Aufstieg der homophoben AfD

taliban Seit dem 11. September 2001 war die Unterstellung einer angeblich „besonderen“ Homophobie eine der vielen Taktiken, hier lebende Muslime fremd zu machen. Waren die sozialwissenschaftlichen Belege für diese Unterstellung schon äußerst mager, so gilt dies umso mehr für die Kulturgeschichte des Islams. Im Unterschied zu ihrer Marginalisierung in der lyrischen Tradition Europas war gleichgeschlechtliche Liebe über Jahrhunderte einer der zentralen Topoi der persischen und arabischen Literatur, auch und gerade in der religiösen Liebesdichtung. Mag sich daran in den letzten hundert Jahren noch so viel ins Gegenteil verkehrt haben, stimmt die Wirklichkeit in vielen Ländern der sog. islamischen Welt doch bis heute nicht mit jener vereindeutigenden Konstruktion überein, die sie als bloßen Hort der Unterdrückung kennt.

Ironischerweise waren es daher auch nicht die »Zuwanderer«, sondern die Islamfeinde selbst, welche mit ihrem Kulturkampf gegen alles Fremde einen kulturellen Umschwung auslösten, der sich bald auch gegen die Emanzipation von Lesben, Schwulen und Transgenders richtete. So hat sich seit dem Aufstieg der AfD als führender rechtspopulistischer Kraft der Anteil der Deutschen, die es als „ekelhaft“ empfinden, wenn sich zwei „Homosexuelle“ küssen, innerhalb von nur zwei Jahren auf 40 Prozent verdoppelt. Das wirft ein bezeichnendes Licht auf den dünnen Firnis der Liberalität, der in den letzten Jahren schon etwas voreilig zum „Wesen“ der westlichen Kultur verdinglicht wurde.

Der Vortrag rekapituliert, ausgehend vom baden-württemberger „Muslimtest“, den Blick auf Muslim*innen in Deutschland, um im zweiten Teil die kulturelle Tradition und den historischen Wandel in der sog. islamischen Welt nachzuzeichnen. Abschließend werden anhand von Berichten und Reportagen die komplexen und widersprüchlichen Lebensverhältnisse u. a. in Afghanistan, Iran und Pakistan diskutiert.

Vortrag und Diskussion
Mi, 7. Dezember, 19 Uhr
Bunte Kuh (Bernkasteler Str. 78)
Veranstalterin: Antifa Nordost

„Whitelash“ oder verirrter Klassenprotest? Zum politischen Charakter der jüngsten US-Wahlen

In zahlreichen liberalen Medien wird der Wahlsieg Trumps als Ausdruck eines „Whitelash“ interpretiert. Das ist eine ziemlich interessierte Analyse. Tatsächlich bekam Trump in absoluten Zahlen weniger Stimmen als seine zwei republikanischen Vorgänger Mitt Romney und John McCain. Die Niederlage der Demokraten verdankt sich vielmehr der Tatsache, dass – um in diesen Termini zu bleiben – die „weiße“ Kandidatin Hillary Clinton sechs Millionen Stimmen weniger einfuhr als der erste schwarze Präsident der USA vor vier Jahren und ganze zehn Millionen weniger als Obama vor acht Jahren.

Der Hintergrund für diese massive Abkehr von den Demokraten ist auch nicht die weit verbreitete Misogynie, wie uns jetzt Feminist*nnen erklären, sondern schlicht und einfach die Tatsache, dass Menschen ohne höheren Bildungsabschluss allein zwischen 2007 und 2014 im Durchschnitt 14% ihres Einkommens eingebüßt haben. Kurz vor der Wahl wurde auch noch bekannt, dass die Beiträge für die durch Obamacare vermittelten privaten Krankenversicherungsverträge im kommenden Jahr um durchschnittlich 25 Prozent steigen würden. Dies – in Verbindung mit dem Frust darüber, dass die demokratische Parteiführung den Sieg des populären sozialistischen Kandidaten Bernie Sanders mit allen erdenklichen Tricks verhindert hatte – brach Clinton schließlich das Genick. Millionen weißer UND schwarzer Wähler*innen blieben den Kabinen einfach fern.

Obwohl Trump im Ganzen nicht mehr Wähler gewinnen konnte als seine republikanischen Vorgänger, vermochte er, zumindest eine neue Wählergruppe an sich zu binden, die sonst immer verlässlich demokratisch gestimmt hatte: weiße Wähler aus der bildungsfernen Arbeiterklasse, die heute zwischen 45 und 65 Jahre alt sind und vor allem im industriellen Mittleren Westen (Ohio, Michigan, Pennsylvania, Wisconsin und Iowa) wohnen. Diese Leute sind weder homophobe christliche Fundamentalisten noch dumpfe Rednecks aus dem Süden, die Schwarze schon immer gehasst haben und sich jetzt durch den Trump-Sieg zu rassistischen Übergriffen ermächtigt fühlen. Es sind Leute, die, wenn sie schon nicht Sanders haben konnten, zumindest die protektionistische Politik des Paläokonservativen Donald Trump wollten, um ihre Arbeitsplätze vor einer neuen Welle von Freihandelsabkommen zu schützen, die schon in der Vergangenheit zum Verlust von mehreren Millionen gut bezahlter Jobs geführt hatten.

Das als „Whitelash“ zu interpretieren, ist Ausdruck einer Dominanz identitätspolitischer Interpretationen, d.h. der Tatsache, dass die materiellen Interessen der Arbeiterklasse in dieser Debatte überhaupt nicht vorkommen. So muss sich niemand Gedanken darüber machen, dass der Wahlsieg von Trump im Grunde nur eine Ursache hatte: der Umstand, dass die demokratischen Eliten um jeden Preis an einer neoliberalen Politik festhalten wollten, die das Leben von Millionen Weißer und Schwarzer in den letzten Jahrzehnten ruiniert hat. Für die demokratische Parteiführung war ein möglicher Wahlsieg von Donald Trump das kleinere Übel. Und es ist der Gipfel der Heuchelei, wenn ihre Repräsentanten jetzt generalisierend den Rassismus der weißen Arbeiterklasse anprangern, als wäre es nicht ihre Politik gewesen, die Millionen schwarzer Männer durch die Kombination einer forcierten Deindustrialisierung, einer repressiven Sozialgesetzgebung und des Kriegs gegen die Drogen zu einer jahrelangen Existenz hinter Gittern verurteilt hat.

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„Haupt- und Nebenwiderspruch revisited“ (Audiomitschnitt)

Mitschnitt eines Vortrags im Rahmen des Veranstaltungswochenendes „20 Jahre TREND Onlinezeitung“:

Die meisten K-Gruppen der 1970er Jahre übertrugen Maos dialektische Kategorien von Grund-, Haupt- und Nebenwiderspruch in ihre Politik. Bis heute werden in linken Spektren diese Kategorien als böse Menetekel aufgerufen, um vor einer angeblich drohenden ‚Hierarchisierung der Kämpfe‘ zu warnen. Dem halten die Kritiker*innen eine Gleichordnung der Kategorien entgegen, die den für die Produktionsweise konstitutiven Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit über den Begriff des ‚Klassismus‘ in eines von vielen unterschiedlichen Diskriminierungsverhältnissen umdeutet. Die im Neoliberalismus auf die Spitze getriebene Dialektik zwischen kulturellen Kämpfen und dem hinter dieser Fassade betriebenen stummen Umbau der ökonomischen Herrschafts- und Ausbeutungsordnung kann damit aber nicht einmal im Ansatz mehr erfasst und analysiert werden.

Haupt- und Nebenwiderspruch revisited

Audiomitschnitt: „Homophobie und Psychoanalyse im Werk von Theodor W. Adorno“

Zur Veranstaltung im Amerlinghaus in Wien im Rahmen des grundrisse jour fixe am 29. Juni 2015 gibt es jetzt auch einen Audiomitschnitt:

Die Seele als Gefängnis des Körpers? Homophobie und Psychoanalyse im Werk von Theodor W. Adorno

Wien, 29. Juni: Homophobie und Psychoanalyse im Werk von Theodor W. Adorno

„Die Seele als Gefängnis des Körpers“

Homophobie und Psychoanalyse im Werk von Theodor W. Adorno

Theodor W. AdornoNach 1989 erfuhr die kritische Theorie aufgrund der Krise des Marxismus unter Linken eine ungeahnte Renaissance und mit ihr Adornos Versuch, Freud für eine kritische Gesellschaftstheorie in Beschlag zu nehmen. Die Psychoanalyse erscheint ihren Liebhabern vielfach als letzte und höchste Stufe der Aufklärung, indem sie dem Bewusstsein entzogene Bereiche des eigenen Selbst dem Bewussten zugänglich macht und es so als Herrn im eigenen Haus einsetzt. Doch wenn irgendwo die Rede von der „Dialektik der Aufklärung“ am Platz wäre, dann hier. (Click here to continue...)

Mitschnitt der Veranstaltung mit Karl Reitter: Vortrag und Diskussion

Aufnahme im Rahmen der Buchvorstellung „Karl Marx – Philosoph der Befreiung oder Theoretiker des Kapitals? Zur Kritik der neuen Marx-Lektüre“ in Berlin am 19. Mai 2015. Veranstalterin: Redaktion trend. Ort: K9 (Friedrichshain).

Vortrag
Diskussion

Buch und Verlagsseite…

Buchvorstellung in Berlin: Karl Marx – Philosoph der Befreiung oder Theoretiker des Kapitals?

cover_reitter_marx1 Herausgeber Karl Reitter stellt seinen vor wenigen Wochen erschienenen Sammelband zur Kritik der neuen Marx-Lektüre vor und referiert die wesentlichen Kritikpunkte an dieser Strömung. Nicht nur soll gezeigt werden, dass ihre „monetäre Werttheorie“ sachlich und philologisch unhaltbar ist, sondern auch was mit dem Vorwurf des Naturalismus an die Adresse von Marx eigentlich gemeint ist. Durch die Weigerung, zwischen den historisch übergreifenden Bestimmungen der Arbeit und ihren je spezifischen gesellschaftlichen Formen zu unterscheiden, wird Marx um sein ureigenstes Anliegen gebracht: in der Gesellschaft, wie sie ist, nach den materiellen Bedingungen einer neuen, klassenlosen Gesellschaft zu suchen. So wird Marx von einem Philosophen der Emanzipation auf einen Theoretiker reduziert, der bloß unrichtigen ökonomischen Aussagen seine eigenen korrekten gegenüberstellte.

Veranstalterin: Redaktion trend
Ort: Berlin-Friedrichshain, Cafe Größenwahn, Kinzigstraße 9
Zeit: Dienstag, den 19. Mai 2015, 19:00 Uhr

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Fragwürdige Rekontextualisierung: Der Westen und der Völkermord an den Armeniern

In der westlichen Forschung zum Genozid an den Armeniern wird fast durchgehend von jedem historischen Kontext abstrahiert, so vor allem von der Tatsache, dass sich jener nicht nur im Rahmen eines Weltkriegs, sondern auch eines jahrzehntelangen Bürgerkriegs ereignete. Die ‚Sozialdemokratische Huntschak-Partei‘ (SDHP) und die drei Jahre nach ihr gegründete „Armenische Revolutionäre Föderation“ (ARF) strebten seit den späten 1880er Jahren ein Großarmenien in Russland und den sechs nordöstlichen Provinzen Anatoliens an, obwohl die Armenier in letzteren gerade einmal ein Viertel der tatsächlichen Bevölkerung stellten. Ihr nationales Projekt war daher von Anfang nur durch den Gebrauch extremer Mittel zu erreichen. Der armenische Patriarch Aschikyan, der in einer Predigt davor gewarnt hatte, dass die Provokationen der Nationalisten auf endloses Blutvergießen und das Verderben der Armenier hinauslaufen würden, wurde kurzerhand erschossen. (Click here to continue...)

»Muslime sind die neuen Katholiken«

Ein neuer Beitrag im ak widmet sich dem Verhältnis von »Religionskritik, Marxismus und der Geschichte des antiklerikalen Kulturkampfs in Deutschland«:

Wenn die maßlose Hetze gegen Muslime heute mit Religionskritik gerechtfertigt wird, dann ruft das keine marxistischen Traditionen wach, sondern die schlimmsten Exzesse des deutschen Liberalismus im Umgang mit seinen selbstgeschaffenen »Anderen«. Es ist genau jene Linke, die die Klassenfrage preisgegeben hat, welche sich jetzt ohne Umschweife daran beteiligt, die Folgen sozialer Desintegration durch Hartz IV in einen Ausdruck zivilisierungsbedürftiger Fremdheit, Rückständigkeit und mangelnder Anpassungsbereitschaft umzudeuten. Dafür steht ihr Projekt der »Islamkritik«, das mit dem Bedürfnis nach Kriegslegitimation begann und in einem disziplinären Projekt für die Unterschichten endet.

On Charlie Hebdo and „Friends“

1. Charlie Hebdo and the hypocrisy of pencils
pencils

To the victims of military occupation; to the people in the houses that bore the brunt of ’shock and awe‘ bombing in Iraq; to those whose bodies were disfigured by white phosphorous and depleted uranium […] — what but cruel mockery is the contention that Western ‚civilisation‘ fights its wars with the pen and not the sword? […] Of course the pen has played its role as well. The pens that signed the endless Patriot Acts, anti-terror laws and other bills that entrenched police harassment and curtailed civil rights. The pens of the newspaper editorialists who whip up round after round of hysteria, entrenching anti-Muslim prejudice and making people foreigners in their own country. But the pens of newspaper editors were strong not by virtue of their wit or reason, but insofar as they were servants of the powerful and their guns.

2. Understanding Charlie Hebdo cartoons

The French satirical magazine Charlie Hebdo has received a lot of attention after the recent attacks at their office. Some of the criticism directed at Charlie Hebdo is uncalled for and inaccurate. This website tries to explain the cartoons within the context they were published so that they may be better understood.

3. Je suis hypocrite: These ’staunch defenders‘ of the free press rallied in solidarity with Charlie Hebdo in Paris

4. The Charlie Hebdo cartoons no one is showing you


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Keine Einträge vom 28. Februar 2017 bis zum 31. März 2017.

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